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Albanien - Europas Kleinod für Fernwehgeplagte : 15.4. - 23.4.2021

In 8 Tagen reisen wir durch Albanien. Wir lernen ein schönes, lebendiges, freundliches Land kennen, das ein Hauch von Exotik und Chaos versprüht. Das gefällt uns.


Es ist viel los in den Ortschaften. Menschen, Tiere, Autos, (Mini-)Busse, Geschäfte und Läden sind überall. Covid-19? Nicht in Albanien. Hier läuft das Leben normal weiter. Wir sind ganz überrascht, als ich lese, dass offiziell eine allgemeine Maskenpflicht für alle ab 11 Jahren gilt. Davon bemerkt man gar nichts. Auch Ramadan, der am 13.4. begonnen hat, ist im öffentlichen Leben nicht spürbar.


Das Auto hat hier offenbar einen hohen Stellenwert. “Lavazh” ist eines der Worte, das wir unterwegs fast am häufigsten lesen. Es weist auf eine Autowaschstation hin. Die gibt es hier gefühlt jeden Meter. Auch Tankstellen, Autowerkstätten, Tuningshops und Pneuhändler sucht mensch nie lange. Auch überall zu lesen: “Shitet” (zu verkaufen) und dann eine Telefonnummer. Und mit überall meine ich überall: an Hauswänden, an Felswänden, an Mauern, an Brückenpfeilern, in Fenstern, am Boden, an Strassenlampen. Dabei ist zumindest mir selten klar, wer da wem was verkaufen will. Weitere Kuriositäten: wild verlegte Stromkabel an Häusern und Strommasten, Kühltruhen voller unverpackter Pouletstücke im Laden, seelenruhig “grasende” Kühe und Pferde eingequetscht zwischen der Hauptstrasse und den daran angrenzenden Geschäften und Firmen.

Es ist laut. Wir fahren oft an viel befahren Hauptstrassen, da sich Nebenstrassen häufig als schlammige Schotterpisten herausstellen. Die Auto- und Lastwagenfahrer_innen grüssen uns mittels hupen. Sehr freundlich... und auf Dauer etwas anstrengend. Fahrräder oder dreirädrige Verwandte davon, werden hier wieder rege genutzt. In Bosnien & Herzegowina kamen wir uns auf den Velos fast wie Ausserirdische vor, das ist hier nicht mehr der Fall. Wir treffen sogar andere Radreisende. Sonstige Touristen fehlen aber noch komplett.


Die Begegnungen mit Menschen sind stets angenehm. Viele sprechen Englisch, einige auch ein paar Brocken Deutsch. Da haben sie uns schon einiges voraus. Meine Versuche albanisch zu sprechen, scheitern kläglich. Einzig “Falemenderit” scheine ich verständlich auszusprechen. Was für ein schönes Wort für “Danke”. Als uns ein Mann am Strassenrand auffordert stehen zu bleiben, sind wir erst etwas skeptisch. Er reicht uns eine Tasche mit Wasser, Schoggigipfel und Snickers. Er hat die Sachen für uns gekauft, als er uns den Berg hinauf schleichen sah. Wir sind gerührt und dankbar. Dass uns unerwartete Freundlichkeit von Fremden, die ohne jeglichen Hintergedanken kommt, irritiert, macht uns nachdenklich. Was sagt das über uns (und unsere Welt) aus, dass wir auf Wohlwollen erst einmal mit Misstrauen reagieren? Wir nehmen uns vor unvoreingenommener zu sein und diese uns entgegengebrachte Freundlichkeit weiterzutragen.

Das traditionelle Familienbild von Frau, Mann und Kindern ist hier noch weit verbreitet. Zum ersten Mal auf dieser Reise werden wir regelmässig gefragt, ob wir verheiratet sind und Kinder haben. Heiraten ist in Albanien eine wichtige Sache. An einem Tag sehen wir gleich 4 Hochzeitsgesellschaften hupend durch die Strassen fahren. Brautmodegeschäfte sehen wir in fast jeder Ortschaft. Was wir auch überall sehen, sind Bunker. In Albanien soll es weit über 200ˋ000 Bunker geben. Diese wurden unter der Herrschaft Enver Hoxhas in den 1970er und 80er erbaut. Nach dem es sich der Diktator mit den Nachbarstaaten, den westlichen Mächten, sowie mit China und der Sowjetunion verscherzt hatte, verfiel er in eine paranoide Angst vor Angriffen und Besetzungsversuchen aus dem Ausland. Hoxah starb 1985. 1990 wurde das kommunistische Regime gestürzt. 1991 fanden die ersten freien Wahlen statt. Die Bunker sind geblieben.


Was uns bleibt, sind viele schöne Eindrücke und Begegnungen. Und dieser unverkennbar Geruch nach Abgasen, verbranntem Abfall und Seife. Seit wir aus Afrika zurück sind, habe ich das nicht mehr gerochen. Für mich ist das der süsse Geruch der Ferne. Falemenderit Albanien.




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